Weinbau in Nüstenbach

Über die Jahrhunderte spielte der Weinbau für Nüstenbach eine bedeutende Rolle. Entspre­chende Hinweise finden sich in den Archiven bis zurück ins frühe 14. Jahrhundert. Die Flächenangaben schwanken zwischen 35 und 45 Morgen. Eine Fläche, die fast 23 Fußballspielfeldern nach UEFA-Norm entspricht. Dazu wird in zwei Quellen auch eine “herrschaftliche Kelter“ bzw. ein “kurfürstliches Kelterhaus“ erwähnt. Wein scheint demnach über den Eigenbedarf hinaus produziert worden zu sein. Offensichtlich waren aber die Rebflächen eher „Grenzertragsflächen“ im Hinblick auf Klima und Boden. 1837 bemerkt Johann Philipp Bronner, Apotheker und Weinwissenschaftler aus Wiesloch, in seinen Büchern über den Weinbau in Süddeutschland zum Weinbau in Nüstenbach:

AuszugBronner

Warum Bronner das badische Nüstenbach im vierten Heft seiner Publikation "Der Weinbau im Königreich Württemberg" beschreibt, erklärt er hier!

Der Hinweis in einer Quelle von 1774, nach dem in Nüstenbach neun „Branntweinbrennereien“ betrieben worden sind, lässt gewisse Zweifel an der damaligen Weinqualität aufkommen. Noch bis in unsere Zeit hinein wurde Most, der zum Trinken nicht so geeignet war, zu Schnaps gebrannt.

Im Winter 1879/80 zeichnet sich das Ende des Weinbaus in Nüstenbach ab. In einer amtlichen Befragung wird angegeben, dass die gesamte Rebfläche von 45 Morgen in diesem strengen Winter Schaden genommen hat, 1/3 dieser Fläche sei stark geschädigt.

Nach 1883 haben sich die klimatischen Bedingungen in Folge des gewalti­gen Ausbruchs des Krakatau (Indonesien, 1883) vorübergehend verschlech­tert – Rückgang der Jahresmitteltemperaturen in den Folgejah­ren um ca. ½ Grad. Schließlich führt dies und das Vordringen der Reblaus dazu, dass 1913 nur noch 1 ha Rebfläche ausgewiesen wird und 1930 keine Rebflächen mehr vorhanden sind. 

Die ehemaligen Rebflächen werden zunächst noch als Obstwiesen genutzt – allerdings mit wenig Erfolg. Ein Bild - vermutlich um 1925 am Sohlberg aufgenommen - zeigt im Hintergrund ungepflegte Rebanlagen, durchsetzt mit Obstbäumen. Tatsächlich werden die ehemaligen Rebflächen zunächst noch als Obstwiesen genutzt – allerdings mit wenig Erfolg. Ab den 1960er Jahren verschwinden sie zuneh­mend aus dem Blickfeld der Eigentümer und werden allmählich sich selbst überlassen und verbuschen. 

Mittlerweile stehen alle früheren Rebflächen des Nüstenbachtales, die anhand ihrer nach Südwest orientierten Lage, an Mauerresten, Lesesteinen und Hangabrissen zu erkennen sind,  unter Naturschutz. Der Nüstenbacher Sohlberg wird seit 1999 regelmäßig gepflegt. Dort zeigen sich erste Erfolge: Die Blütenpracht im Frühling ist überwältigend! Gemäht wird regelmäßig, aber erst im Spätsommer, wenn die Samen ausgefallen sind.