Nüstenbach

"Nustenbach, ein Weiler oder Dörflein eine halbe Stunde von der Stadt Mosbach nordwärts, kommt in älteren Urkunden nirgends vor, sondern hatte mit Lorbach jederzeit eine unzertrennliche Verbindung, wiewohl die dazugehörigen Güter eine besondere Gemarkung ausmachen" ist einer Beschreibung der Kurpfalz aus dem Jahr 1774 zu entnehmen. Das Nüstenbach in älteren Urkunden nicht vorkommt, ist mittlerweile ausreichend widerlegt. Bereits in einer Urkunde vom 15. September 1305, in der es um die Stiftung einer „ewigen“ Messe geht, wird Nüstenbach mehrmals erwähnt.

Nüstenbach hatte ursprünglich zwei Siedlungskerne: „Dorf“ und „Weiler“. Das eigentliche Dorf bildeten die Häuser und Gehöfte um den jetzigen Dorfplatz, der von Mosbach nur über die Straße „Hohe Steige“ erreicht werden konnte. Die heutige Zufahrt aus Richtung Mosbach wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, wie auch die Gebäude im „Grünstreifen“ zwischen den beiden Ortsteilen erst nach diesem Ereignis errichtet wurden, z. B. Anwesen Rapp (1907) oder Anwesen Hildenbrand (1928). Die benachbarte kleinere Siedlung „Weiler“ mit Zentrum um die heutigen gastronomischen Einrichtungen „Zum Ochsen“ und „Café Haaß“ war auf anderem herrschaftlichen Grund angelegt als das eigentliche Dorf. Denkbar ist auch, dass die in der oben genannten Beschreibung erwähnte „herrschaftliche Kelter“ sich im Weiler befand, dessen Häuser sich an die damals mit Reben bepflanzten sonnigen Hänge von Schleef, Witthau und Solberg anschmiegten. Bei der herrschaftlichen Kelter wird eine katholische Kapelle erwähnt als Filiale der Pfarrei Neckarelz. Das Vorhandensein von Kelterhaus und Kapelle bestätigt auch eine Beschreibung der katholischen Kirchengemeinde Neckarelz aus dem Jahr 1799. Kelter und Kapelle sind heute nicht mehr nachweisbar und auch aus dem Gedächtnis der Nüstenbacher verschwunden.

Im Hinblick auf die Konfessionen war Nüstenbach dreigeteilt: Die Katholiken waren – wie oben ersichtlich – nach Neckarelz hin orientiert, ebenso die Reformierten. Die mussten bis zur Fertigstellung der Nüstenbacher Dorfkirche im Jahr 1759 zum Kirchenbesuch den beschwerlichen Weg nach Neckarelz auf sich nehmen. Davon zeugt noch heute die Gewannbezeichnung „Kirchenpfad“. Die Lutheraner dagegen waren nach Mosbach orientiert und gingen dort zur Kirche. Nach jahrhundertelanger Abhängigkeit von Herrschaften, insbesondere von der Kellerei Lohrbach, wurde Nüstenbach als Folge der ersten badischen Gemeindeordnung von 1831 zu einer selbstständigen Gemeinde mit Rathaus , Bürgermeister, Ratschreiber, Gemeinderechner und einigen „Angestellten“ wie Polizeidiener, Feld- und Waldhüter. Die Amtskette des Bürgermeisters wird heute noch im Mosbacher Rathaus aufbewahrt.

Nüstenbachs Selbstständigkeit endete am 1. April 1935. Der damalige Bürgermeister Ungerer, der nach 28 Jahren Amtszeit die Amtsgeschäfte an seinen Mosbacher Bürgermeisterkollegen übergab, wies darauf hin, dass es in den Jahres des Krieges und der Nachkriegszeit für die kleineren Gemeinden immer schwerer geworden war, den Verpflichtungen gegenüber dem Staat und den Bürgern nachzukommen. Deshalb habe man den Anschluss an die Stadt Mosbach schweren Herzens in Erwägung gezogen. Auch der damalige Vertreter des Landrates sah diesen Zwang und betonte, dass es sich beim Anschluss an Mosbach nicht um eine „Neigungsehe“ gehandelt habe. Mit der Auflösung von Kindergarten und Schule, dem späteren Abriss des Schulhauses, des Rathauses und des Feuerwehrgerätehauses, dem Schließen des Gemischtwarenladens und der Neugestaltung von Ortsdurchfahrt und Dorfplatz ist das „alte“ Nüstenbach verschwunden – auf Grund des Generationenwechsels auch weitgehend aus den Köpfen der Bewohner.

Gemeindewappen

Gemeindewappen

 

Gemeindesiegel

Gemeindesiegel

Rathaus

Rathaus

 
 
 
 
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