Männervesper am 13.10.2017: Die Reformation in den Dörfern des Odenwaldes

Beim gut besuchten Männervesper am 13.10.2017 ging es um die Auswirkungen der Reformation auf die Dörfer des Odenwaldes. Referent des Abends war Dr. Albrecht Ernst vom Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.

Es war ein Abend der überraschenden Erkenntnisse: Mit großen Augen und offenem Mund lauschten die Zuhörer den spannenden Ausführungen des Referenten Dr. Albrecht Ernst, der die Gäste in seiner mitreißenden Art auf eine Zeitreise durch die Jahrzehnte nach dem Wittenberger Thesenanschlag mitnahm. Er hatte eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Familienbibel mitgebracht, die sein Vorfahr Peter Ernst angeschafft hatte. Peter Ernst war ein Nüstenbacher Bürger, der im Zusammenhang mit dem Bau der Nüstenbacher Dorfkirche mehrmals erwähnt wurde. Für Dr. Albrecht Ernst war das Nüstenbacher Männervesper also ein Heimspiel!
Er schilderte sehr lebendig und anschaulich die Veränderungen, die die Reformation für die Dörfer des Odenwaldes mit sich brachte, einer Region, die politisch zur Kurpfalz gehörte, kirchlich aber dem Mainzer Erzbischof oder dem Bistum Würzburg unterstand. Für uns heute ist unvorstellbar, was diese Entwicklungen für die Menschen vor Ort und für die Geistlichen bedeutete. Letztere standen bei jedem Konfessionswechsel vor der Entscheidung, die neue Lehre anzuerkennen und zu verbreiten oder abzuwandern. Zum Leidwesen aller Betroffenen gab es nicht nur einen einzigen Konfessionswechsel, sondern aus dynastischen Gründen mehrere durchgreifende Umorientierungen. So wurden die ehemals katholischen Kurpfälzer zunächst Lutheraner, dann Calivinisten und schließlich wieder Katholiken. Zurück blieb ein religiöser Flickenteppich und ein gewaltiges Konfliktpotential im Hinblick auf den Zugriff auf Kirchen, Schulen und Friedhöfe. Für die konfessionelle Zerrissenheit der Kurpfalz hatte Albrecht Ernst ein naheliegendes Beispiel gewählt: Nüstenbach! In dem kleinen Ort mit 21 Familien in 18 Häusern gab es Katholiken mit einer eigenen Kapelle, Reformierte mit der Dorfkirche und schließlich Lutheraner, die nach Mosbach "eingepfarrt" waren. Einfacher wurden die Verhältnisse für die Menschen erst, als sich 1821 in Baden die reformierten und die lutherischen Kirchen zur Unierten Kirche Badens zusammenschlossen.
So hat sich der Besuch des Männervespers einmal mehr gelohnt; es ist nur bedauerlich, dass derart interessante Vorträge allein den Männern vorbehalten sind!

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