Herbstzeit ist Mostzeit

Most war das Alltagsgetränk in Nüstenbach, hauptsächlich als vergorener Fruchtsaft. Außerdem wurde der frisch gepresste Saft durch Sterilisieren haltbar gemacht.

Auch wenn es mittlerweile Most und vor allem Apfelsaft im Supermarkt zu kaufen gibt, erzeugen viele Hobbygärtner ihren Most selbst, weil sie den aromatischen und frischen Geschmack von Apfelsaft schätzen. Sie haben eine erstklassige Herkunftsgarantie: Ihr Fruchtsaft wächst sozusagen vor der Haustüre, denn Streuobstwiesen sind charakteristisch für die Hanglagen des Nüstenbachtales.

Streuobstw

Wenn dann Spätfröste keinen Schaden anrichten und das Sommerwetter mitspielt, steht einer reichen Obsternte nichts mehr im Wege.

Obstbaum

Wer noch im Besitz einer alten Spindelkelter und einer Obstmühle ist, kann sich glücklich schätzen und ohne fremde Hilfe ans Werk gehen.

Wenn die entsprechenden Gerätschaften nicht bzw. nicht mehr vorhanden sind, kann man die Dienste einer mobilen Obstpresse in Anspruch nehmen.

Familie Eifler hat noch eine komplette Ausstattung, die auch nach hundert Jahren regelmäßigem Einsatz immer noch zu gebrauchen ist:

geraetsch

Im September beginnt die jährliche Apfelernte. Für die Verarbeitung sollen die rein biologisch angebauten Äpfel ausgereift sein, damit eine entsprechende Süße vorhanden ist. Früher wurden auch Birnen verarbeitet. Noch heute finden sich hochstämmige Birnbäume in der Flur, die eigens für die Mostherstellung angepflanzt wurden, z. B.die Schweizer Wasserbirne oder auch die Luxemburger Birne.

Vor dem Mahlen muss das Obst gründlich gewaschen und faules aussortiert werden:

mahlgut

Dann kommt die Obstmühle zum Einsatz, in der das Mahlgut zur Obstmaische zerkleinert wird. Die Mühle, die ursprünglich mit einer Handkurbel in Verbindung mit einem Schwungrad angetrieben wurde, ist mittlerweile mit einem Elektromotor versehen, der diese Arbeit enorm erleichtert.

obstmuehle

Die Maische wird in die Presse gefüllt, bis der Pressraum zu 2/3 gefüllt ist:

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Dann wird die Maische mit den Abschlussbrettern geschlossen.Auf diesen Brettern werden Kanthölzer kreuzweise aufgeschichtet und die Druckplatte aufgesetzt. So wird sichergestellt, dass zum einen die (eiserne) Druckplatte nicht mit dem Pressgut in Berührung kommt und zum anderen die Maische vollständig ausgepresst werden kann.

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Dann folgt ein Krafttraining der besonderen Art. Durch das Drehen des Spindelstocks wird die Maischemasse ausgepresst:

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Der Obstsaft wird vor dem Abfüllen grob gefiltert. Früher wurden zur Vergärung und Lagerung Holzfässer benutzt. Die haben längst ausgedient, da ihre Handhabung sehr umständlich war (hoher Reinigungsaufwand, Abdichten und Schwefeln). Heute nutzt man Kunststoffbehältnisse, mit denen sich die Anforderungen an eine hygienisch einwandfreie Lagerung leichter erfüllen lassen.

faesser

Der Gärprozess kann beginnen, und man darf auf den ersten Schluck gespannt sein!

Zu guter Letzt: Der beim Pressen übrig gebliebene Maischekuchen wird auch noch verwertet. Jäger schätzen ihn im Winter zur Wildfütterung.

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